Langlebigkeit  I



Henri Coanda – Leben und Forschung

Henri CoandaHenri Coanda war der Mann, der Patrick Flanagan die Aufgabe übertrug, den Quell der Jugend zu finden. Er hatte selbst 60 Jahre lang versucht, das Geheimnis des Hunzawassers zu lüften. Er war durch die ganze Welt gereist und hatte die entlegensten Orte besucht, deren Bewohner bei bester Gesundheit alt wurden. Einer dieser Orte war das Hunzatal, ein völlig abgelegenes Hochtal im Karakorum-Gebirge, dicht unter den schneebedeckten Gipfeln einiger der höchsten Berge der Welt. Unter anderem Henri Coanda ist zu verdanken, dass die Hunza als eine der besterforschten Kulturen der Welt gelten. Die auffällige und außergewöhnliche Langlebigkeit der Bewohner des Hunzatals machten die Hunza berühmt.

   Auch Henri Coanda wurde sehr alt – er wurde 1886 geboren und starb 1972 im Alter von 86 Jahren.

   Henri Marie Coanda wurde in Bukarest geboren als zweitältester Sohn einer Familie mit sieben Kindern (vier Brüder und zwei Schwestern). Er besuchte in Bukarest die Schule und absolvierte dort später eine militärische Ausbildung zum Artillerie-Offizier. Er studierte in Berlin an der Technischen Hochschule in Charlottenburg, an der wissenschaftlichen Universität in Liège und machte seinen Abschluss schließlich 1909 – mit 23 Jahren – in Paris an der Hochschule für Aeronautik.

   Wir kennen Henri Coanda im Zusammenhang mit seinen Wasserforschungen. Vorher aber war er schon vom ‚Wunder des Windes’ fasziniert und viele seiner ca. 500 Erfindungen und Patente liegen im Bereich der Luftfahrt. Er arbeitete unter anderem an folgenden Projekten:

  • einer mobilen Plattform für aerodynamische Experimente, die er auf einen Zugwaggon montierte und auf dem er seine Experimente bei etwa 90 km/h durchführte, was damals noch eine unglaublich hohe Geschwindigkeit war. Dabei untersuchte er quantitative aerodynamische Phänomene und benutzte unter anderem einen Windkanal und einen speziellen Fotoapparat, den er selbst entworfen hatte. Die Ergebnisse dieser Experimente ermöglichten es ihm, optimale Flügelprofile zu entwickeln, die später für den Bau von Flugzeugen verwendet wurden.
  • 1911 präsentierte Coanda in Reims ein zweimotoriges Flugzeug mit einem Propeller
  • Zwischen 1911 und 1914 war er der technische Direktor der Bristol Airplanes in England und entwarf dort verschiedene Propellermaschinen, die heute als Klassiker bekannt sind und Bristol-Coanda-Flugzeuge genannt werden. 1912 gewann eine dieser Maschinen den ersten Preis beim Internationalen Militär-Luftfahrt-Wettbewerb in England.

   Bereits 1910 hatte er das entdeckt, was heute noch als ‚Coanda-Effekt’ bezeichnet wird und ihm den Ruf als ‚Vater der Flüssigkeitsdynamik’ einbrachte –Henri Coanda - der erste Düsenjet der Welt mit 24 Jahren! In diesem Jahr, nur sieben Jahren nach den ersten Flügen der amerikanischen Erfindern Orville und Wilbur Wright, entwarf und baute Henri Coanda einen Eindecker mit Düsenantrieb, der abhob und aus eigener Kraft mit Coanda als Pilot flog. Er schrieb:

   „Es war am 10. Dezember 1910. Ich hatte nicht die Absicht, an diesem Tag zu fliegen. Ich plante, den Betrieb des Düsenmotors nahe am Boden zu überprüfen, aber die Hitze des Düsenstrahls, der zu mir zurückkam war größer, als ich erwartet hatte und ich befürchtete, das Flugzeug in Brand zu setzen. Deshalb konzentrierte ich mich darauf, die Düse richtig einzustellen und bemerkte überhaupt nicht, dass das Flugzeug schnell an Geschwindigkeit gewann. Dann schaute ich auf und sah die Mauern von Paris schnell näher kommen. Es blieb keine Zeit mehr, zu stoppen oder umzukehren und ich entschloss mich, es auszuprobieren und stattdessen zu fliegen. Unglücklicherweise hatte ich keine Erfahrung im Fliegen und wusste nicht genau, wie man die Schalthebel im Flugzeug bediente. Die Maschine machte einen kurzen Steilflug und landete dann mit einem heftigen Ruck. Erst schlug der linke Flügel auf dem Boden auf und dann zerschellte die Maschine auf dem Boden. Ich war nicht angeschnallt und wurde deshalb glücklicherweise aus der brennenden Maschine geschleudert.

   Während dieses Fluges entdeckte Henri Coanda den nach ihm benannten ‚Coanda-Effekt’. Nachdem sein Flugzeug abgehoben hatte, beobachtete Coanda die Flammen und das brennende Gas, die aus der Maschine ausströmten. Die Flammen blieben dabei trotz der Geschwindigkeit des Flugzeugs sehr dicht am Flugzeugrumpf, ein unerklärliches Phänomen, das Coanda lange Zeit beschäftigen sollte.

   Schließlich formulierte er nach zwanzigjährigen Studien (teilweise zusammen mit anderen Wissenschaftlern) das Konzept dessen, was nach ihm „Coanda-Effekt“ genannt wurde: dass Luft (oder andere leichtflüssige Medien), die Tendenz aufweist, an einer Oberfläche zu haften und daher beim Vorbeiströmen deren Krümmung zu folgen. Daraus folgerte er, dass die Luft an der Oberseite einer Tragfläche nach unten gesogen wird. Als Gegenkraft dazu entsteht über dem Flügel ein Unterdruck, was in direktem Zusammenhang mit dem Auftrieb eines Flugzeugs steht.

Henri Coanda - Air Reactive Flugzeug


Das ‘Coanda - 1910 Air Reactive (Jet) Flugzeug’ bei der Zweiten Internationalen Aeronautischen Ausstellung im Grand Palais, Paris (October 1910). Dieses Flugzeug war das erste Flugzeug der Welt ohne Propeller – ganze 30 Jahre vor Heinkle, Campini und Whittle, die heute als ‚Väter’ der Düsenflugzeuge (Jets) betrachtet werden.

   Mit seinen Forschungen zum Coanda-Effekt legte Coanda die Grundlagen für die Entwicklung von Düsenflugzeugen und dem Space Shuttle.

   1935 entwickelte Coanda eine Flugmaschine, die er ‚Aerodina Lenticulara’ nannte. Sie basierte auf dem Coanda-Effekt und ähnelt dem, was wir heute als ‚Fliegende Untertassen’ – UFOs bezeichnen. Die riesigen Kräfte von Wirbelstürmen brachten ihn auf die Idee dazu. Er selbst glaubte, dass diese Flugmaschine die wichtigste Anwendung des von ihm entdeckten Effekts sein könnte und sagte dazu 1967 auf einem Symposium der Rumänischen Akademie der Wissenschaften:
„Diese Flugzeuge, die wir heutzutage haben, sind nicht besser als ein Spielzeug aus Papier, mit dem Kinder zu spielen pflegten. Meiner Meinung nach sollten wir nach einer vollständig anderen Flugmaschine suchen, die senkrecht abhebt, wie gewohnt fliegt und ebenfalls senkrecht landet.„

   Henri Coanda beantragte und erhielt ca. 500 Patente. Ihm wurden auch zahlreiche Preise und Auszeichnungen verliehen. Unter anderem wurde er 1956 in New York für die erste Realisierung und den ersten Flug eines Flugzeugs mit Reaktionsmotor ausgezeichnet. Dort wurde er ‚die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Luftfahrt’ genannt.

   Henri Coanda arbeitete unter anderem auch in einem Think Tank der amerikanischen Regierung. Dort begegnete er 1961 dem 17jährigen Patrick Flanagan, der vom ‚Life’-Magazin bereits zu den ‘hundert der wichtigsten jungen Männer und Frauen in den Vereinigten Staaten’ gezählt wurde. Auf der Party zu Dr. Coandas 80stem Geburtstag kam es zu einer schicksalhaften Begegnung, die Patrick Flanagan folgendermaßen beschreibt:
“Auf der Party zu seinem 80. Geburtstag ging ich zu ihm, und er war in ausgezeichneter körperlicher Verfassung. Seine Freundin war Gloria Swanson, die ein berühmter Filmstar war. Und er war auch im Alter von 80 Jahren noch ein sehr robuster Mann. Auf seiner Geburtstagsfeier ging ich also zu ihm hin und sagte: „Dr. Coanda, wenn ich in Ihrem Alter bin, hoffe ich in derselben körperlichen Verfassung zu sein wie Sie es sind“. Und er sagte: „Patrick, wenn Du in meinem Alter bist, wenn Du achtzig bist, dann sprechen wir darüber.“

   1963 kehrte Dr. Coanda von Stamford nach Rumänien zurück, wo er zum Dekan der Rumänischen Akademie der Wissenschaften berufen worden war. Kurz zuvor übergab er seine gesammelten Ergebnisse aus 60 Jahren Forschungsarbeit an Patrick Flanagan, verknüpft mit dem Auftrag, das Geheimnis des Hunzawassers zu lösen. Er sagte zu Patrick: "Entdecke das Geheimnis des Hunza-ähnlichen Wassers und Du kannst Leben unbegrenzt verlängern.“

   Henri Coanda verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Bukarest. Er starb 1972. In Rumänien erinnert man sich auch heute noch an Henri Coandas Leistungen. Im Technischen Museum ‚Professor Dimitrie Leonida’ sind zahlreiche Ausstellungsstücke im Zusammenhang mit seinen Forschungen ausgestellt. Das Goethe-Institut ist unter der Adresse ‚Str. Henri Coanda’ zu finden.


 

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